Chronik:

Vereinschronik
Freiwillige Feuerwehr Westerode


Um Jahre 1900 wurde in Westerode die erste Feuerwehr gegründet. Damals wurde sie noch als Pflichtfeuerwehr geführt. Der Name rührt von der Verpflichtung aller männlichen Bürger sich für den Brandschutz einzusetzen. Sie bestand damals aus ungefähr 60 Mitgliedern. Als Löschgerät hatten unsere Gründungsväter eine Handdruckspritze zur Verfügung, die mit Pferdekraft gezogen wurde. Der 12. August 1911 wurde als größter Einsatz dieser Zeit überliefert. Ein "Jahrhunderfeuer" wütete auf der Spiegelbrücke in Duderstadt, wo die Westeröder Feuerwehrmänner Seite an Seite mit den umliegenden Wehren gegen die Flammen kämpften.


Das Jahr 1934 brachte große Veränderungen in Deutschland. Ein Jahr zuvor gelangten die Nationalsozialisten an die Macht. Es war der Beginn einer dunklen Zeit für Deutschland. Im Zuge der politischen Änderungen, die im Deutschen Reich vor sich gingen, wurden alle Feuerwehren zu "Freiwilligen Feuerwehren" umgewandelt. Dieses Jahr kann somit auch als Gründungsjahr der Westeröder Freiwilligen Feuerwehr angesehen werden.


Die Jahre des 2. Weltkrieges haben auch die Feuerwehr Westerode schwer getroffen. 42 Westeröder Soldaten verloren ihr Leben an der Front oder in Gefangenschaft. Mit der Kapitulation Deutschlands im Jahre 1945 brach der Brandschutz in Westerode fast völlig zusammen. Im Jahre 1946 befahl dann die britische Besatzungsmacht den Brandschutz in Westerode wieder sicher zu stellen. Den ersten Einsatz erhielten die Kameraden dann im Jahre 1948. Sie sollten die Auszahlung der D-Mark überwachen, die im Rahmen der Währungsumstellung die Reichsmark ablöste.


Im Jahre 1952 wurde der Kamerad Ewald Diedrich vom damaligen Gemeindedirektor Heinrich Bock zum Ortsbrandmeister der Gemeinde Westerode vorgeschlagen und vom Gemeinderat bestätigt. In seinen Aufgabenbereich fiel es dann, die Freiwillige Feuerwehr erneut aufzubauen. Er musste junge Männer überreden, sich an dem gemeinnützigen Dienst zu beteiligen. Es fanden sich etwa 20 Feuerwehrkameraden, die sich schnell für den Dienst begeistern ließen. Hoch motiviert gingen sie daran feuerwehrtechnisches Wissen aufzubauen und dieses dann in die Praxis umzusetzen. Langsam aber sicher bildete sich eine Kameradschaft, die Freude am Feuerwehrwesen hatte.


Das Jahr 1957 hielt dann einen Umzug für die Kameraden bereit. Das neue Feuerwehrhaus in der Rosenthaler Straße 13 (ehemals im Stocken) wurde fertig gestellt und konnte bezogen werden. Das alte Feuerwehrhaus befand sich in der Westeröder Straße an der Ecke der kleinen Verbindungsstraße zur Bäckerwiese. Es wurde zu klein, für die technischen Geräte die die Brandschützer mittlerweile für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen hatten.


Das neue Feuerwehrhaus wurde schnell gefüllt. 1966 wurde der Wehr ein Tragkraftspritzenanhänger übergeben. Dieser wurde dann per Traktor zur Einsatzstelle gebracht und beinhaltete alle technischen Geräte, die zur Brandkämpfung der damaligen Zeit von Nöten waren. Doch jedes technische Gerät ist nutzlos, wenn es nicht von geschulter Menschenhand bedient wird. Also hatten auch die Kameraden einen gesicherten Platz auf dem Anhänger. Die damalige Verkehrslage ließ dies noch ohne Probleme zu. Aufzeichnungen aus dieser Zeit berichten vom einem Brand des Tabakschuppens von Heinrich Hölscher, sowie diverser Schwelbrände und Öleinsätzen auf der Nahte. Aspekte des Naturschutzes und der technischen Hilfeleistung rückt langsam aber sicher in den zusätzlichen Aufgabenbereich der Feuerwehr.


Nach 25 Jahren Dienstzeit gab Ewald Diedrich das Amt des Ortsbrandmeisters im Jahre 1977 ab. Auf Grund seiner langjährigen Verdienste für das Feuerwehrwesen in der Ortschaft Westerode wurde er 1993 von der Jahreshauptversammlung zum Ehrenortsbrandmeister ernannt. Kamerad Helmut Vollmer übernahm 1977 das Amt des Ortsbrandmeisters. und führte das ihm übertragende Amt auf dieselbe vorbildliche Art und Weise weiter.


Immense und lang anhaltende Regenfälle im Juni 1981 verursachten ein Hochwasser wie es bis dato noch nicht da war. Beim sogenannten „Jahrhunderhochwasser“ war auch die Feuerwehr Westerode im Einsatz. Die Nahte ist über die Ufer getreten und hat etliche Höfe, Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. Stundenlang waren alle verfügbaren Kräfte im Einsatz um den Schaden in den betroffenen Haushalten so gering wie möglich zu halten. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Hochwassereinsätzen in den gefährdeten Bereichen rund um die Nahte.


Im Jahre 1983 kam es dann zu einem Brand der Holzhandlung Kirst. Dort kämpften die Feuerwehrkameraden einen schier aussichtslosen Kampf gegen die Flammen. Als dann das Feuer auf weitere Gebäudeteile übergriff, erkannte man, dass man die Flammen nicht mit den eigenen Kräften aufhalten konnte. Man rief die Kameraden aus Duderstadt zur Hilfe. Gemeinsam brachte man dann nach mehreren harten Stunden Arbeit das Feuer unter Kontrolle.


Der nächste große Einsatz fand drei Jahre später auf dem Grundstück der Firma Benseler statt. Die Geschäftsgebäude bestanden zu großem Teil aus Holzhäusern, was die Löscharbeiten zu einem Kampf gegen Windmühlen machte. Trotz herbei geholter Hilfe aus Nesselröden und Duderstadt, verlor man zusehends den Kampf gegen das Feuer. Man beschloss dann die Taktik dahin gehend zu ändern, dass man die angrenzenden Wohnhäuser schützt und die Gebäude kontrolliert abbrennen ließ. Wenige Tage später musste die Brandschützer erneut ausrücken. Die Holzhandlung Kirst war erneut in Flammen aufgegangen. Es wurde mehrere Stunden gegen den Brand angekämpft. Auch hier wurde wieder dankend auf die Hilfe der Duderstädter Wehr zurück gegriffen.
1983 legte die Feuerwehr Westerode einen wichtigen Grundstein für die Nachwuchsförderung. Die Jugendfeuer wurden gegründet. Vorraussetzung war das genügen interessierte Jugendliche da waren. Die Rechnung ging auf und die Wehr kann seit dem auf eine fundierte und erfolgreiche Jugendfeuer zurückblicken.


Im Jahre 1986 stellte Ortsbrandmeister Helmut Vollmer sein Amt zur Verfügung und als Nachfolger wurde der Kamerad Bernward Schwedhelm gewählt. In seiner Amtszeit wurde im Jahre 1987 der Tragkraftspritzenanhänger aus dem Jahre 1966 außer Kraft gesetzt, da er nicht mehr dem aktuellen technischen Stand entsprach. An seiner statt wurde ein Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft. Mit diesem Fahrzeug war es den Kameraden wieder möglich den Brandschutz sicher zu stellen. In den folgenden Jahren wuchs dann die Zahl der Mitglieder auf 65 Kameraden an.
Wie sich im Laufe der Jahre gezeigt hat, bestand die Aufgabe der Feuerwehr nicht nur mehr aus reinem Brandschutz, sondern ihr Aufgabenbereich wurde um ein Vielfaches erweitert. So gehörten auch technische Hilfe bei Sturmschäden, Hochwasser, Verkehrsunfällen und Umweltschäden zu den Aufgaben der Wehr. Solch ein Wissen muß aufgebaut werden und daher besuchten die Kameraden verschiedene Lehrgänge die sie auf die kommenden Aufgaben vorbereiten sollten. All diese Schulungen und Weiterbildungen werden ehrenamtlich ausgeführt.


Im Jahre 1992 endete die Amtszeit von Bernward Schwedhelm und Stefan Schindler wurde als neuer Ortsbrandmeister gewählt. Unter seiner Führung ging es dann an die Renovierung des Feuerwehrhauses. Im Jahre 1993 wurde das Gebäude, das die Ausrüstung und die Mannschaften beherbergte, komplett renoviert. Dies alles geschah größtenteils mit Hilfe der Kameraden, die dies selbstverständlich unentgeltlich machten.


1994 feierte die Feuerwehr Westerode ihren 60sten Geburtstag. Zur Feier des Ereignisses fanden die Pokalwettkämpfe der aktiven Gruppen in Westerode statt. Weiterhin machte auch der technische Fortschritt vor den Gerätschaften der Wehr nicht halt. So wurden aus Mitteln der Kameradschaftskasse die Pumpe mit einem Elektrostarter ausgestattet. Dies erleichterte die Arbeit des Maschinisten ungemein und ließ die Wahrscheinlichkeit eines technischen Ausfalls gegen Null laufen. Die technische Hilfe auf allen Gebieten rückte immer näher in den Mittelpunkt. So wurde dann 1998 ein Geräteanhänger beschafft. Dieser wurde mit allen Mitteln die zur technischen Hilfe notwendig sind ausgestattet. Ölbindemittel, Notstromaggregat, Schilder, Ölsperren und vielem mehr. Auch dieses Material wurde aus der Kameradschaftskasse bezahlt.


Während sich die Brandschützer auf reale Einsätze konzentrieren, vertiefte die Jugendfeuerwehr ihr Können in den Übungen. So war Westerode dann die erste Wehr und bisher einzige Jugendfeuerwehr aus dem Stadtgebiet, die sich für die Bezirkswettkämpfe qualifizieren konnte.
 

Im Jahre 2002 stellte dann Kamerad Stefan Schindler sein Amt zur Verfügung. Als neuer Ortsbrandmeister wurde Tobias Hellmold gewählt.

Im Frühjahr 2003 wurde die Feuerwehrkameraden zu einem Brand der alten Mühle in Westerode gerufen wurden. Gäste des Hotels Rosenthaler Hof hatten den Feuerschein in der unbewohnten Bauruine bemerkt und gleich die Feuerwehr informiert. Dank unzähliger Kameraden, die zur Einsatzstelle eilten, war das Feuer in wenigen Stunden gelöscht. Auch wurde die Unterstützung der umliegenden Nachbarwehren dankend angenommen. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wenn alle zusammen arbeiten, dann kommt man auch schnell und erfolgreich zum Ziel. Bei diesem Brand zeigte sich, das Kettensägen durchaus von Nöten sein können. Als Folge dessen wurde dann eine solche Säge mit Unterstüzung eines Kameraden und des Ortsrates angeschafft. Im gleichen Atemzug besuchten die Kameraden entsprechende Lehrgänge.

2004 endete die Dienstzeit von Tobias Hellmold und an seine Stelle trat Kai Walter. Damals war schon klar, dass er als jüngster Ortsbrandmeister Niedersachsens in den Büchern stehen wird. Er übernahm ein Amt mit viel Verantwortung.

Im Jahre 2006 wurde eine Chemiegruppe der Ortsfeuerwehren Mingerode, Nesselröden und Westerode ins Leben gerufen. Gerade die Nähe zu der Firmengruppe Otto Bock, die zu der chemischen Industrie gehört, machte dies nötig.

Die kommenden Jahre hielten viel Einsätze für unsere Wehr bereit. Hilfeleistungseinsätze sind zwar in den Vordergrund gerückt, doch hatten die Kameraden sich auch immer wieder mit Brandeinsätzen zu beschäftigen. Neben Großeinsätzen in Mingerode und Duderstadt, wo die Westeröder Wehr als Verstärkung nachalarmiert wurde, brannte es auch in Westerode. Im Februar 2007 stand die Firma Lichtenberg in Flammen. Mitten im Ortskern von Westerode, fraß sich ein Feuer zunächst durch die Betriebstätte und drohte auf das Wohnhaus überzugreifen. Als Verstärkung wurden Wehren aus Duderstadt, Nesselröden, Esplingerode, Werxhausen, Desingerode, Breitenberg, Tiftlingerode und der Werkfeuerwehr der Firmengruppe Otto Bock hinzugerufen. Rund 120 Feuerwehrmänner waren an der Einsatzstelle beschäftigt. Mit vereinten Kräften konnte dem Feuer nach Stunden der Brandbekämpfung Einhalt geboten werden.

Die Ausrüstung der Feuerwehren wird immer moderner und Sicherheit wird bei der Feuerwehr groß geschrieben. Immerhin riskieren die Kameraden ihr Leben, wenn sie unter Atemschutz in brennende Gebäude vorgehen. Und ihr Leben gilt es zu schützen, sie haben nur dieses eine. Aus eigenen Mitteln wurden Handfunkgeräte, ein Hohlstrahlrohr und eine Umfeldbeleuchtung für das Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft. Weiterhin wurde die Wehr mit neuen Überhosen und Handschuhen für Atemschutzgeräteträger ausgestattet. Doch auch die Jugendfeuerwehr wurde nicht vergessen. Für die Übungen wurde eine Hindernisbahn in Eigenleistung eines Kameraden angefertigt, damit der Nachwuchs auch die nötige Ausbildung erfährt.

Erwähnenswert ist auch der Einsatz den die Feuerwehrkameraden den Kameraden der Altersabteilung entgegen bringen. Seit 18 Jahren findet in Westerode das Seniorentreffen des Feuerwehrverbandes Duderstadt-Eichsfeld statt. Bei Getränken und deftigem Essen, treffen sich die Feuerwehrsenioren aus dem Eichsfeld einmal jährlich, tauschen Geschichten aus und lassen alte Zeiten wieder aufleben. Es wird immer gut angenommen und der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Zeichen, dass man alles richtig macht und dass man bei der Feuerwehr die Altersabteilung hoch einschätzt.

Frei nach dem Motto:

"Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr. Der Menschheit zum Schutze, dem Feuer zum Trutze."

setzen sich seit nunmehr 75 Jahren die Feuerwehrkameraden von Westerode für den Brandschutz ein. Und nicht nur da, der Aufgabenbereich hat sich um einiges erweitert. Brandschutz, menschliche Hilfeleistung, technische Hilfeleistung, die Liste lässt sich beliebig fortführen. In diesem Jubiläumsjahr können 28 passive Mitglieder, 10 Jugendfeuerwehrmitglieder, 10 Mitglieder der Altersabteilung und 55 aktive Mitglieder der Feuerwehr Westerode auf eine lange Tradition zurückblicken und werden diese mit Stolz und Ehre fortführen.

Gut Wehr!

 

 

© Kim-Nils Lichtenberg · 05/2009